Weiterbildungskosten als Werbungskosten bei Umschulungen, berufsbegleitendem Studium und eng berufsbezogener Ausbildung
29. Juli 2004

Der BFH hat die Voraussetzungen wesentlich erleichtert, unter denen Kosten für die berufsbezogene Aus- und Fortbildung steuerlich als Werbungskosten geltend gemacht werden können.
Die Bundesregierung plant diese für die Steuerpflichtigen günstige Rechtsprechung gesetzlich auszuhebeln: Rückwirkend zum 01.01.2004 sollen Ausbildungskosten nur noch bei Dienstverhältnissen als Werbungskosten abzugsfähig sein, bei denen das Ausbildungsziel ein Berufsabschluss ist, wie bei Lehramts- und Rechtsreferendaren. Ausbildungskosten werden allerdings dann in einem wesentlich höheren Umfang, nämlich EURO 4.000 pro Steuerpflichtigem zugelassen.

Bislang wurden Kosten für die Ausbildung in einem anderen Beruf oder Kosten für ein Erststudium – auch nach Aufnahme einer Berufstätigkeit – nur sehr beschränkt zum Werbungskostenabzug zugelassen. Nunmehr lässt der BFH eine ausreichende berufliche Veranlassung genügen. Für die Kosten von Umschulungsmaßnahmen bedeutet dies, dass der Steuerpflichtige mit dem angestrebten Beruf ernsthaft seine Lebensgrundlage bestreiten möchte. In Bezug auf ein berufsbegleitendes Erststudium reicht es nach der neuen Rechtsprechung aus, wenn durch das Studium das berufliche Fortkommen entscheidend gefördert wird (BFH-Urteile vom 04.12.2002 – VI R 120/01, vom 29.04.2003 - VI R 86/99 und vom 17.12.2002 - VI R 137/01).

Auch bei den Ausbildungskosten für die Verkehrsflugzeugführer-Lizenz und die
Langstreckenflug-Berechtigung hat der BFH vorweg genommene Werbungskosten in Bezug auf die spateren Einnahmen als Pilot angenommen (Urteil vom 27.05.2003 - Vl R 33/01 ). Im entschiedenen Sachverhalt wurde der Steuerpflichtige nach Abschluss der erfolgreich beendeten Ausbildung in den Dienst einer Airline übernommen. Begründung des BFH: Die Schulungskosten des Piloten stehen in einem besonders engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit der Erzielung von steuerbarem Einkommen aus der angestrebten Tätigkeit. Außerdem wurde der Schulungsvertrag mit der späteren Arbeitgeberin abgeschlossen. Damit ist laut BFH der erforderliche, erwerbsbezogene Veranlassungszusammenhang gegeben.

Umstritten ist, ob auch die Kosten für ein Erststudium als vorweg genommene Werbungskosten abziehbar sind, wenn durch das Studium ein späterer Beruf etwa als Rechtsanwalt oder Arzt angestrebt wird. Die allgemeinen Aussagen des BFH lassen zu den anders gelagerten Sachverhalten – einmal eine Umschulungsmaßnahme und zweitens ein berufsbegleitendes Erststudium – keine sichere Aussage darüber zu, ob der BFH einen bei Studienbeginn doch sehr losen Zusammenhang mit der angestrebten späteren beruflichen Tätigkeit genügen lässt. Die Finanzverwaltung will hier weiterhin nur Ausbildungskosten zugestehen und macht eine Ausnahme nur für Ausbildungsverhältnisse, deren Ausbildungszweck das Bestehen einer Berufszugangsprüfung ist, wie etwa bei Rechts- und Lehramtsreferendaren.

Arbeitnehmer/-geber

RA und Fachanwalt für Steuerrecht Peter Eller, München, eller(at)msa.de
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