Treuhändische Beteiligungen an geschlossenen Fonds verlieren Erbschaftssteuervorteile

Koordinierter Ländererlass lässt nur noch direkte Beteiligungen gelten.

Bislang galt für treuhändische Beteiligungen an Immobilien-, Schiffs- und Medien- oder Energieparkfonds in Erbfällen die Grundregel, dass eine betriebliche Beteiligung vorlag. Der koordinierte Ländererlass des Finanzministeriums Baden-Württemberg vom 27.06.2005 (Az. 3-3806/51) stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass der Erbe einer derartigen Beteiligung nicht einen Anteil erbt, sondern lediglich einen Herausgabeanspruch gegen den Treuhänder. Auf einen derartigen Anspruch seien aber die Begünstigungen des Betriebsvermögens in § 13a ErbStG nicht gemünzt. Diese sind insbesondere

  • Freibetrag in Höhe von Eur 225.000,-
  • Bewertungsabschlag in Höhe von 35% über den hinausgehenden Anteil
  • Entlastungsbetrag von 88% für Erwerber der Steuerklasse 2 und 3

Für alle Beteiligungen, die ab 01.07.2005 gezeichnet wurden, gilt dieser Erlass genau so wie für Erbanfälle nach dem 30.06.2006. Da es bisher einhelliger Rechtsprechung entsprach, dass auch über einen Treuhänder gehaltene Beteiligungen die erbschaftssteuerlichen Vergünstigungen bekommen, sollte gegen anders lautende Bescheide des Finanzamtes Einspruch eingelegt werden. Die treuhänderische Bindung dient lediglich der verwaltungstechnischen Vereinfachung bei Publikumsfonds. Auch würde die erbschaftssteuerliche von der ertragssteuerlichen Beurteilung abweichen, würde man die Beteiligungsverluste und Erträge nicht mehr als gewerbliche ansehen. Dass die Verluste auf einkommenssteuerlicher Ebene nur noch mit künftigen Gewinnen verrechnet werden können bedeutet nicht, dass in der privaten Vermögenssphäre Verluste überhaupt nicht mehr verrechnet werden können.

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