Minijobs: Pauschalversteuerung, Versicherungsfreiheit, Rentenversicherungsoption, arbeitsrechtlicher Status
27. Januar 2011

1. Geringfügige Beschäftigung bis 400 €

Eine geringfügige Beschäftigung kann stets neben einem Hauptberuf ausgeübt werden und kann bis zu € 400 im Monat (auch für mehrere aufaddierte Minijobs) pauschal lohn- und sozialversicherungspflichtig behandelt werden. Der Zufluss ist beim Arbeitnehmer netto und muss in der Einkommensteuererklärung, falls nicht aus anderen Gründen vom Finanzamt verlangt, nicht angegeben werden, da er bereits (pauschal) versteuert wurde. Bei einer Hauptanstellung darf für den gleichen Arbeitgeber nicht noch ein Minijob ausgeübt werden.

 

2. Grenzwert beachten bei mehreren Arbeitgebern

Mehrere Minijobs sind bis zur Grenze von 400 € zu addieren, wer zuerst einen Minijobber beschäftigt bleibt bis zur 400 € Grenze frei. Der zweite Arbeitgeber der mit dem Entgelt die 400 € Grenze durchstößt, muss mit dem darüber liegenden Teil ein steuer- und sozialversicherungs-pflichtiges Arbeitsverhältnis abrechnen, bei Bruttolöhnen bis 800 € zunächst in der so genannten Gleitzone. Wenn der Arbeitnehmer den zweiten Minijob nicht offen legt oder nicht die ganze Höhe des Bezuges, muss der Arbeitgeber allerdings erst ein reguläres Arbeitsverhältnis abrechnen, wenn er von der Minijobzentrale, die die Arbeitnehmerdaten abgleicht, darüber informiert wird. Vor diesem Zeitpunkt bleibt es bei der Minijobabrechnung.

 

3. Summe der Pauschbeträge nunmehr bei ca. 27 %

Die Pauschalbeträge setzen sich aus 15 % Renten-, 13 % Krankenversicherungsbeitrag sowie 2 % Pauschalsteuer zusammen. Ab 4 Wochen Beschäftigungsdauer ist ferner eine Umlage zum Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen bei Krankheit und Mutterschaft an die Minijob–Zentrale zu zahlen. Sie beträgt für die Mutterschaft 0,2% und ist bei den Krankheitsaufwendungen je nach prozentualem Ersatz der Entgeltfortzahlung variabel zwischen ca. 2 % bis 3 %. Wird die pauschale Abgabe angemeldet (und entrichtet), entfällt die reguläre Sozialversicherungspflicht für Arbeitnehmer.

 

4. Informationspflicht über die Option zur Rentenversicherung beachten

Alle Minijobber müssen vom Arbeitgeber schriftlich darüber belehrt werden, dass sie schriftlich beantragen können, auf den Entgeltbetrag 4,9 % freiwillig in die Rentenkasse einzuzahlen. In diesem Fall erhält der Minijobber Anwartschaften für die Altersvorsorgung und der Arbeitgeber zahlt seinen sowie den Anteil des Arbeitnehmers dort ein. Ein Verzicht gilt für die gesamte Dauer des 400 € Jobs. Ein Widerruf ist nicht möglich, jedoch eine Kündigung und Neuanstellung, in der die Option wiederum ausgeübt werden kann.

 

Diese Option ist sehr vorteilhaft, weil der Minijobber nur in diesen Fall in den Genuss einer Erwerbsminderungsrente, wenn er im Rahmen des Minijobs schwer verunglückt (Arbeitsunfall und Wegeunfälle). Der Schutz in der Berufsgenossenschaft ist nämlich nur unzureichend. Weitere und allgemeine Voraussetzung ist allerdings, dass vor dem Versicherungsfall in den letzten 5 Jahren 36 Monate Versicherungspflicht bestand. Diese Versicherungspflicht wird auch im Rahmen eines Minijobs mit Arbeitnehmeroption zur Rentenversicherungspflicht erfüllt. Mit einer geringfügigen Einbuße beim Nettoeinkommen (derzeit 9,95% vom Minijob brutto bei 400 € also knapp 40 €) ist also ein Erwerbssicherungs-Versicherungsschutz zu einem unschlagbaren Preis/Leistungsverhältnis zu erreichen.

 

5. Arbeitsrechtlicher Status

Minijobber sind Arbeitnehmer in jeder Hinsicht gleichgestellt: Es gilt die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und der gesetzliche Urlaubsanspruch. Im Krankheitsfall ist das auf den –ausgefallenen – regelmäßigen Arbeitstag entfallende anteilige Monatsentgelt auszuzahlen; höchstens aber 6 Wochen lang. Der Minijobvertrag sollte also möglichst die Arbeitstage und –zeiten festhalten oder auf einen Dienstplan verweisen. Der Urlaubsanspruch bestimmt sich nach dem Verhältnis, in dem die vereinbarte Wochenarbeitszeit zur regulären Wochenarbeitszeit steht. Diese bestimmt sich gfs. nach anzuwendenden Tarifverträgen oder hilfsweise den individuellen Betriebsverhältnissen.

Arbeitnehmer/-geber

RA und Fachanwalt für Steuerrecht Peter Eller, München, eller(at)msa.de
www.msa.de

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