Minijobs: die Vorteile der Pauschalversteuerung richtig nutzen
21. Dezember 2010

Die sieben Grundregeln sollten Arbeitgeber wissen.

1. Geringfügige Beschäftigung bis 400 €

Eine geringfügige Beschäftigung kann stets neben einem Hauptberuf ausgeübt werden und kann bis zu € 400 im Monat (auch für mehrere aufaddierte Minijobs) pauschal lohn- und sozialversicherungspflichtig behandelt werden. Der Zufluss ist beim Arbeitnehmer netto und muss in der Einkommensteuererklärung, falls nicht aus anderen Gründen vom Finanzamt verlangt, nicht angegeben werden, da er bereits (pauschal) versteuert wurde. Bei einer Hauptanstellung darf für den gleichen Arbeitgeber nicht noch ein Minijob ausgeübt werden.

 

2. Grenzwert beachten bei mehreren Arbeitgebern

Mehrere Minijobs sind bis zur Grenze von 400 € zu addieren, wer zuerst einen Minijobber beschäftigt bleibt bis zur 400 € Grenze frei. Der zweite Arbeitgeber der mit dem Entgelt die 400 € Grenze durchstößt, muss mit dem darüber liegenden Teil ein steuer- und sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis abrechnen, bei Bruttolöhnen bis 800 € zunächst in der so genannten Gleitzone. Wenn der Arbeitnehmer den zweiten Minijob nicht offen legt oder nicht die ganze Höhe des Bezuges, muss der Arbeitgeber allerdings erst ein reguläres Arbeitsverhältnis abrechnen, wenn er von der Minijobzentrale, die die Arbeitnehmerdaten abgleicht, darüber informiert wird. Vor diesem Zeitpunkt bleibt es bei der Minijobabrechnung,

 

3. Summe der Pauschbeträge nunmehr bei ca. 27 %

Die Pauschalbeträge setzen sich aus 15 % Renten-, 13 % Krankenversicherungsbeitrag sowie 2 % Pauschalsteuer zusammen. Ab 4 Wochen Beschäftigungsdauer ist ferner eine Umlage zum Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen bei Krankheit und Mutterschaft an die Minijob–Zentrale zu zahlen. Sie beträgt für die Mutterschaft 0,2 % und ist bei den Krankheitsaufwendungen je nach prozentualem Ersatz der Entgeltfortzahlung variabel zwischen ca. 2 % und 3 %.

 

4. Informationspflicht über die Option zur Rentenversicherung beachten

Alle Minijobber müssen vom Arbeitgeber schriftlich darüber belehrt werden, dass sie schriftlich beantragen können, auf den Entgeltbetrag 4,9 % freiwillig in die Rentenkasse einzuzahlen. In diesem Fall erhält der Minijobber Anwartschaften für die Altersvorsorgung und der Arbeitgeber zahlt seinen sowie den Anteil des Arbeitnehmers dort ein. Ein Verzicht gilt für die gesamte Dauer des 400 € Jobs. Ein Widerruf ist nicht möglich, jedoch eine Kündigung und Neuanstellung, in der die Option wiederum ausgeübt werden kann.

 

Diese Option ist sehr vorteilhaft, weil der Minijobber nur in diesem Fall in den Genuss einer Erwerbsminderungsrente kommen kann, sollte er im Rahmen des Minijobs schwer verunglückten (Arbeitsunfall und Wegeunfälle). Der Schutz in der Berufsgenossenschaft ist nämlich nur unzureichend. Weitere und allgemeine Voraussetzung ist allerdings, dass vor dem Versicherungsfall in den letzten 5 Jahren 36 Monate Versicherungspflicht bestand. Diese Versicherungspflicht wird auch im Rahmen eines Minijobs mit Arbeitnehmeroption zur Rentenversicherungspflicht erfüllt. Mit einer geringfügigen Einbuße beim Nettoeinkommen (derzeit 9,95% vom Minijob brutto bei 400 € also knapp 40 €) ist also ein Erwerbssicherungs- und Versicherungsschutz zu einem unschlagbaren Preis-/Leistungsverhältnis zu erreichen.

 

5. Kurzfristige Beschäftigung

Die Entlohnung für eine kurzfristige Beschäftigung darf zwar 400 € im Monat überschreiten, sie darf aber nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Nicht berufsmäßig bedeutet, dass davon nicht der Lebensunterhalt bestritten wird: Dieses ist in der Regel nur bei Hausfrauen und -männern, Schülern, Studierenden und Rentnern möglich. Weitere Voraussetzung für die Annahme einer kurzfristigen Beschäftigung ist, dass sie auf maximal zwei Monate oder insgesamt 50 Arbeitstage begrenzt ist. Die Arbeitstage brauchen aber nicht lückenlos aufeinander folgen. Die Besteuerungssatz beträgt 25 % pauschal erhöht um die Umlagen wie bei den geringfügigen Beschäftigungen.

 

6. Sonderfall Praktikanten und Studenten

Bei Praktikanten muss unterschieden werden: Sind diese Studenten und ist das Praktikum in der Studienordnung vorgeschrieben, so können sie unabhängig von der Höhe des Entgelts sozialversicherungsfrei beschäftigt werden. Bei anderen betrieblichen Ausbildungen ist der Praktikant in der Krankenversicherung anzumelden und die Lohnsteuer regulär abzuführen.

2 % Lohnsteuer sparen: Bei in Ausbildung befindlichen Personen ist es oft günstiger, den Minijob über die Lohnsteuerkarte laufen zu lassen. Da dieser Personenkreis über keine weiteren Beschäftigungsverhältnisse verfügt, kann das Praktikantenverhältnis lohnsteuerfrei abgewickelt werden bis zur 400 € Grenze. Zu den Besonderheiten bei Studenten siehe den Steuertipp: „Werkstudenten sind in sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht gegenüber normalen Arbeitnehmern privilegiert.”

 

7. Sonderfall Haushaltsbedienstete

Für ausschließliche im privaten Haushalt tätige Minijobber sind die Beiträge drastisch reduziert. Sie betragen nur 13,7 % wobei je 5 % auf die Renten- und Krankenversicherung entfallen, 1,6 % auf die gesetzliche Unfallversicherung und 0,1% auf die Umlagen. 2 % bleiben für die pauschale Lohnsteuer. Vorraussetzung ist, dass das Hauhaltscheckverfahren angewandt wird. Außerdem sind die Zahlungen bei haushaltsnahen Dienstleistungen zu 20 % (Höchstgrenze 600 €) bei der Einkommenssteuer anrechenbar.

Arbeitnehmer/-geber

RA und Fachanwalt für Steuerrecht Peter Eller, München, eller(at)msa.de
www.msa.de

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