Liefer- und Erwerbsschwellen beim Versandhandel an Verbraucher in der EU beachten.
20. Februar 2012

In vielen EU-Ländern, wie in Dänemark, werden diese Schwellen relativ schnell erreicht.

Beim Versandhandel an private Verbraucher in anderen EU-Ländern darf innerhalb gewisser Grenzen die inländische Umsatzsteuer ausgewiesen werden. § 3c Abs. 3 UStG bestimmt dazu, dass der Ort der Lieferung das Inland ist. Damit nimmt der Versender von den europäischen Verbrauchern nur deutsche Umsatzsteuer ein, die regulär erklärt und abgeführt werden muss. Allerdings gilt diese Regelung nur bis zu starren Liefer- und Erwerbsschwellen, die jedes Empfängerland autonom festlegt.

 

Die Lieferschwelle wird unter folgenden Voraussetzungen erreicht:

 

- Alle Umsätze im  Versandhandel an private Verbraucher eines anderen EU-Landes sind von Beginn eines Kalenderjahres zusammenzurechnen.

 

- Damit ist zugleich klar, dass die innergemeinschaftlichen Lieferungen an Unternehmer mit Umsatzsteuer-Identifikationsnummer in einem anderen EU-Land außer Betracht bleiben.

 

- Die so berechnete Summe darf im Vorjahr und im laufenden Kalenderjahr einen bestimmten Grenzwert (die Lieferschwelle), nicht überschreiten.

 

Die Höhe der einzelnen Lieferschwellen ist aus der unten angeführten Tabelle zu entnehmen.

 

Wird die Lieferschwelle jedoch überschritten, ist ausnahmsweise die Umsatzsteuer des Versand-Ziellandes auszuweisen, weshalb dort ein Fiskalvertreter zu bestellen ist. Dieser hat für die Abführung der ausländischen Umsatzsteuer an den dortigen Fiskus zu sorgen. Alle Lieferungen eines Jahres unterliegen auch mit Rückwirkung der ausländischen Umsatzsteuer, wenn die Schwelle erstmals im Laufe eines Jahres überschritten wird. Die zunächst entrichtete heimische Umsatzsteuer wird dann im Wege von Berichtigungen zurückerstattet.

 

Die Lieferschwelle wird von jedem EU-Land autonom festgelegt, wobei die Spanne zwischen 28.000 € und 100.000 € vorgegeben ist. Restriktive Länder haben diese Schwelle am unteren Ende angesetzt (beispielsweise Dänemark mit 37.665 € = 280.000 DKK – Stand 20.02.2012). Der Grund: Die Umsatzsteuersätze anderer EU-Staaten sind teilweise erheblich geringer (bis zu 15%) und dies würde den nationalen Versandhandel im Hochsteuerland Dänemark benachteiligen.

 

Die Voraussetzungen für die so genannte Erwerbsschwelle entsprechen denjenigen der Lieferschwelle. Der einzige Unterschied besteht darin, dass hier nicht an Verbraucher sondern an so genannte Halbunternehmer versendet wird. Der EU-Gesetzgeber fühlte sich bemüßigt, diese besonders hart an die Kandare zu nehmen. Die Erwerbsschwellen sind ebenfalls aus der beigefügten Tabelle zu entnehmen und betragen nur ca. ein Drittel bis zu einem Zehntel der Lieferschwellen. Halbunternehmer sind Kleinunternehmer, Unternehmer, die nach Umsatzsteuer-Durchschnittssätzen versteuern und nicht zum Vorsteuerabzug  berechtigte Unternehmer (u.a. juristische Personen des öffentlichen Rechts). Wird die Erwerbsschelle in einem EU-Land überschritten so ergeben sich dieselben Konsequenzen wie bei der Lieferschwelle.

 

 

 

EU-Mitgliedstaat

 

 

Erwerbsschwelle

(Stand 31.03.2011)

 

Lieferschwelle

(Stand 31.03.2011)

Belgien

11.200 EUR

35.000 EUR

Bulgarien

20.000 BGN

70.000 BGN

Dänemark

80.000 DKK

280.000 DKK

Deutschland

12.500 EUR

100.000 EUR

Estland

10.266 EUR

35.151 EUR

Finnland

10.000 EUR

35.000 EUR

Frankreich

10.000 EUR

100.000 EUR

Griechenland

10.000 EUR

35.000 EUR

Irland

41.000 EUR

35.000 EUR

Italien

10.000 EUR

100.000 EUR

Lettland

7.000 LVL

24.000 LVL

Litauen

35.000 LTL

125.000 LTL

Luxemburg

10.000 EUR

100.000 EUR

Malta

10.000 EUR

35.000 EUR

Niederlande

10.000 EUR

100.000 EUR

Österreich

11.000 EUR

35.000 EUR

Polen

50.000 PLN

160.000 PLN

Portugal

10.000 EUR

35.000 EUR

Rumänien

34.000 RON

118.000 RON

Schweden

90.000 SEK

320.000 SEK

Slowakische Republik

13.941 EUR

35.000 EUR

Slowenien

10.000 EUR

35.000 EUR

Spanien

10.000 EUR

35.000 EUR

Tschechien

326.000 CZK

1.140.000 CZK

Ungarn

2.500.000 HUF

8.800.000 HUF

Vereinigtes Königreich

70.000 GBP

70.000 GBP

Zypern

10.251 EUR

35.000 EUR

Umsatzsteuer

RA und Fachanwalt für Steuerrecht Peter Eller, München, eller(at)msa.de
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