Kleinunternehmerprivileg bei der Umsatzsteuer
21. Januar 2010

Eine für manche Kleinunternehmer interessante Option bezüglich der Umsatzsteuerpflicht für Unternehmer ergibt sich aus § 19 UStG. Die so genannte Kleinunternehmer-Besteuerung soll insbesondere kleine Gewerbetreibende aus den vielfältigen Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Umsatzsteuererhebung und -abführung entlassen. Kleinunternehmer dürfen, falls sie die Option nach § 19 UStG gegenüber dem Finanzamt erklären, in ihren Ausgangsrechnungen dann keinerlei Umsatzsteuer mehr ausweisen. Folge ist, dass sie auch gegenüber dem Finanzamt keinerlei Umsatzsteuer erklären und abführen müssen. Nachteil ist hierbei, dass sie auch die selbst gezahlte Umsatzsteuer in Form der Vorsteuer nicht vom Finanzamt erstattet bekommen. Die Umsätze des Unternehmers werden also umsatzsteuerneutral behandelt.

 

Voraussetzung ist, dass im Vorjahr der Umsatz nicht mehr als EUR 17.500,00 betragen hat und zusätzlich im laufenden Jahr die voraussichtlichen Umsätze nicht mehr als EUR 50.000,00 betragen werden. Bei  Neuunternehmern, die erst im Laufe eines Jahres beginnen, ist im Hinblick auf diese Grenze der zu erwartende Umsatz auf ein ganzes Jahr hochzurechnen. Diese Variante ist bei Unternehmern vorteilhaft, die überwiegend an Privatpersonen leisten. Belastet mit Umsatzsteuer wird nämlich nach unserem Mehrwertsteuersystem in erster Linie der Endverbraucher, der seinerseits keine Vorsteuer abziehen kann. Muss der Kleinunternehmer gegenüber dem privaten Endverbraucher keine Umsatzsteuer ausweisen (die er ja an das Finanzamt abliefern müsste), so kann er gegenüber anderen Unternehmern günstiger anbieten. Besonders wirkt sich der Umsatzsteuerverzicht in Dienstleistungsbetrieben aus, wo der Anteil von Einkauf und sonstigen vorsteuerbelasteten Kosten relativ gering ist.

 

Dieser Vorteil aus der laufenden Besteuerung der Endverbraucherumsätze muss allerdings sorgfältig gegen den Verlust der Vorsteuer-Abzugsmöglichkeiten im Hinblick auf die anfänglichen Investitions- und Gründungskosten abgewogen werden. Da hier, wie bereits ausgeführt, keinerlei Vorsteuer abgezogen werden kann, muss der Unternehmer hier eine Bruttobelastung in Kauf nehmen.

 

Wenn der Kleinunternehmer in die Normalbesteuerung wechselt, kann er die Vorsteuer nach § 15a UStG nachträglich auf in dieser Zeit getätigte Anschaffungen und zwar anteilig für die restliche Nutzungsdauer erstattet bekommen (rechtskräftiges Urteil des BFH vom 17.06.2004 (Az.: V R 31/02).

Umsatzsteuer

RA und Fachanwalt für Steuerrecht Peter Eller, München, eller(at)msa.de
www.msa.de

Nach oben

© nemadesign GbR Stuttgart 2015