Berufsbekleidung: Überblick über die Rechtsprechung zur steuerlichen Absetzbarkeit
01. März 2015

Die Abgrenzung zwischen steuerlich irrelevanter Alltagskleidung und typischer Arbeitskleidung ist oft kaum nachzuvollziehen

Nur die Kosten von typischer Berufskleidung sind in steuerlicher Hinsicht absetzbar, nicht die Ausgaben für reguläre bürgerliche Kleidung. Das gilt leider auch, wenn die Berufsanforderungen die Anschaffung einer hochwertigen Garderobe mit sich bringen. Die Rechtsprechung hat zur Abgrenzung von abziehbaren und nicht abziehbaren Bekleidungsaufwand eine umfangreiche Kasuistik entwickelt, deren feinsinnige Unterscheidungen – für allem in den ablehnenden Urteilen – nicht immer ganz einleuchten mögen.

 

Steuerlich anerkannt als typische Berufsbekleidung sind zunächst alle Arten von Uniformen und sonstiger Dienstbekleidung, auf der dauerhaft Firmenembleme angebracht sind, und die objektiv gesehen eine Rolle in der Berufsausübung spielen. Als Uniform ähnlich werden auch die Roben und Gewänder von Juristen in der Rechtspflege (Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Richter) und von Geistlichen behandelt. Bemerkenswert aber konsequent ist, dass der Smoking und das Kellnerjacket eines Bediensteten der gehobenen Gastronomie steuerlich abzugsfähig sind, nicht aber die identische Bekleidung eines Angehörigen der gehobenen Gesellschaftsschicht, wenn er sich damit zur Berufsausübung bekleidet. Weiter sind anerkannt schwarzer Anzug eines Leichenbestatters und Sportbekleidung für Turnlehrer, soweit für den Turnunterricht angeschafft und notwendig. Bei den Ärzten bleibt es vorerst bei weißer Amtstracht, farbige Kleidung ist in diesem Bereich steuerlich tabu. Anerkannt ist ferner einheitlich zu tragende weiße Oberbekleidung von Angestellten in Berufen mit direktem Kundenkontakt. Die Abendbekleidung einer Solistin für Konzertdarbietungen wird anerkannt, wenn sie derart extravagant ausfällt, dass eine Verwendung für private Zwecke ausgeschlossen scheint. Ein schwarzer Anzug für einen Orchestermusiker ist dann nicht abzugsfähig, wenn er dort nur nebenberuflich tätig wird. Im Umkehrschluss würde dieser Richterspruch jedoch bedeuten, dass die Kosten für schwarze Anzüge für Vollzeit-Orchestermusiker abzugsfähig wären: Zu dieser Frage gibt es allerdings noch keine Entscheidung.

 

Viele andere Kleidervorschläge hat das Finanzamt jedoch mit Rückendeckung der Fachgerichte abgeschmettert, etwa die Kosten für reguläre Straßenschuhe, die Verkäuferin gemäß Dienstvorschrift im Verkauf Schuhe aus dem Sortiment des Arbeitgebers zu tragen hat (FG Münster, Urteil vom 01.07.2015, 9 K 3675/14 E). Das Abzugsverbot greift immer dann, wenn es objektiv nicht möglich ist, die Dienstkleidung  von regulärer Kleidung zu unterscheiden. Das führt zu kaum haltbaren Entscheidungen: etwa hinsichtlich eines Trachtenanzugs eines Geschäftsführers eines im bayerischen Stil gehaltenen Restaurants. Dies diskriminiert eindeutig die bayrische Lebensart dar gegenüber dem „Kellner-tragen-Smoking” im Kanal des anglophilen Wertekanons.

 

Auch die Steuerrelevanz der Ausgaben für ein Ballkleid einer Tanzlehrerin als Berufskleidung wurde abgelehnt, was irritiert: es ist sozusagen die Sportbekleidung von Tanzlehrern, die außerhalb des Berufs keine sinnvolle Verwendung findet. Anders sehen die Gerichte dies bei den Turnlehrern: Obwohl jeder zweite Freizeitdeutsche in Sportlerkluft durch den Kiez schlendert, darf dieser Aspekt bei Sportklamotten keine Rolle spielen. Denn Sport und Sportlehrer sind eben in der allgemeinen Wertschätzung von durch die Bank wertkonservativen Finanzrichtern sehr viel höher angesehen als die Vermittler des noch immer noch verdächtigen Tanzvergnügens.

Arbeitnehmer/-geber

RA und Fachanwalt für Steuerrecht Peter Eller, München, eller(at)msa.de
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